Kurz und knapp – Kapazitätsplanung

  • Kapazitätsplanung hilft, eigene Ressourcen wirtschaftlich sinnvoll auf die Auftragslage abzustimmen
  • Sie verhindert Engpässe und minimiert Lieferrisiken entlang der Lieferkette
  • Wichtig zur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Personal und Maschinen
  • Je stärker die Kapazitätsplanung datenbasiert erfolgt, desto exakter ist sie
  • Für mittlere bis große Unternehmen rechnet sich eine automatisierte Planung

Was ist Kapazitätsplanung? – Definition

Eine Kapazitätsplanung hilft Unternehmen dabei, festzustellen, welche Ressourcen im Unternehmen vorhanden und wie diese über welchen Zeitraum ausgelastet sind. Über eine Kapazitätsplanung (häufig auch: Kapaplanung) lässt sich somit feststellen, ob etwa ein Fertigungsbetrieb über die (personellen / maschinellen / zeitlichen) Kapazitäten verfügt, um weitere Aufträge von Kunden anzunehmen.

Im Idealfall sind die Kapazitäten eines Unternehmens – unter Einbeziehung aller Puffer – zu nahezu 100 Prozent ausgelastet: Sinkt der Wert stark darunter, sind Mitarbeiter oder Maschinen schlimmstenfalls ohne Aufgabe. Steigt er jedoch über 100 Prozent, laufen Betriebe Gefahr, ihre Aufträge nicht (fristgerecht) erfüllen zu können.

Mit Blick auf globale und zum Teil hochkomplexe Lieferketten sind gerade produzierende Unternehmen heute mehr denn je auf eine intelligente Kapazitätsplanung angewiesen. Fallen zum Beispiel einzelne kritische Lieferanten aus, kann dies ganze Produktionslinien zum Stillstand bringen. Daher braucht es eine äußerst präzise Übersicht, wann wo welche Rohstoffe, Materialien und Kapazitäten in welchem Umfang zur Verfügung stehen.

Für diese wichtigen Einblicke braucht es sowohl intuitiv nutzbare Systeme als auch eine enge Verknüpfung von Datenquellen, damit Informationen unternehmensweit und verzögerungsfrei bereitstehen. Sind anstehende Urlaube bereits in der Personaleinsatzplanung berücksichtigt? Wie fallen die Schichtpläne der kommenden Woche aus? Gibt es plötzlich Probleme mit wichtigen Lieferanten? All diese Aspekte fließen bestenfalls in Echtzeit zusammen, um auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen.

Arten der Kapazitätsplanung

Bei der Betrachtung des Themas Kapazitätsplanung wird in der Praxis typischerweise zwischen zwei Arten der Kapazitätsplanung unterschieden:

Die strategische Kapazitätsplanung umfasst das „große Ganze“, gerade auch mit Blick auf die langfristige Entwicklung von Standorten, Fertigungsstraßen oder die zukünftige Personalplanung mitsamt der notwendigen Workforce-Management-Lösungen.

Das Gegenstück dazu stellt die operative Kapazitätsplanung dar – hierbei liegt der Fokus auf der (relativ) unmittelbaren Verfügbarkeit von Fachkräften, Maschinen, Lagerflächen und Co. Auf dieser Ebene findet die Feinplanung der Fertigung statt, wobei Kapazitäten bestimmten Aufträgen zugeordnet sowie priorisiert werden – alles im Sinne der Umsetzung.

Kurz gesagt: Die strategische Planung stellt eine „Zukunftsvision“ dar, während die operative Kapazitätsplanung eher das eigentliche Tagesgeschäft abbildet. Hier entscheidet sich am Ende des Jahres, ob ein Unternehmen seine Geschäftsziele erreicht oder nicht.

Ziele der Kapazitätsplanung – Logistik & Produktion

Je nach Branche ist ein effizientes Management der eigenen Kapazitäten unterschiedlich geschäftskritisch. Gerade aber in der Logistik oder der Produktion sind vielfach jedoch Margen so klein und Prozesse so kostenintensiv, dass Ineffizienzen in Abläufen schnell kostspielig werden können.

Eine gute Kapazitätsplanung hilft in diesen Branchen bei der Erreichung folgender Ziele:

  • Vermeidung von Engpässen: Eine vorausschauende Kapaplanung stellt sicher, dass es nicht zu Engpässen in der Fertigung oder Lieferung von Gütern kommt. Das reicht von der Planung der Kapazität von Lager- und Ausweichflächen über die frühe Identifikation von Engpassmaschinen bis zur gezielten Personalplanung anhand von Qualifikationen.
  • Sicherung der Kundenzufriedenheit: Ein übergeordnetes Ziel ist immer die Zufriedenheit der Kunden – sei es in Form hochwertig gefertigter Produkte, fristgerecht zugestellter Paketsendungen oder der Einhaltung individuell vereinbarter SLAs (Service Level Agreements).

Diese Ziele sind sehr breit formuliert – dies liegt jedoch in der Natur einer Kapazitätsplanung für Mitarbeiter, Materialien und mehr. Denn auch aus der operativen Perspektive muss die Planung die gesamte Lieferkette einbeziehen.

Infografik zur Beschreibung von Engpässen bei der Kapazitätsplanung. Dazu gehören z.B. die Zeitplanung oder Personalengpässe

Typische Engpässe bei der Planung von Kapazitäten

Für eine branchenspezifische Kapazitätsplanung (Logistik / Produktion) ist es wichtig, zunächst zu identifizieren, welche Kapazitäten in diesen Bereichen von geschäftskritischer Relevanz sind. Dies umfasst sowohl interne als auch externe Kapazitäten. Dazu gehören vor allem:

  • Fachkräfte / Personalengpässe: Besonders im Umgang mit bestimmten Fertigungsmaschinen braucht es dafür ausgebildetes Fachpersonal, das in der Lage ist, auch bei Komplikationen am Gerät einen kühlen Kopf zu bewahren sowie eine praktikable Lösung zu finden, um eventuelle Verzögerungen oder Blockaden zu beheben. Der effiziente Einsatz von Fachpersonal ist dabei ein branchenübergreifendes Problem, das auch Querschnittsbereiche wie den Reise-Sektor in großem Umfang betrifft.
  • Lieferanten / Partner: Mit der Zuverlässigkeit von Lieferanten stehen und fallen ganze Lieferketten. Unternehmen müssen exakt wissen, welche Lieferanten Waren wie zuverlässig liefern können. Schwankt die Performance dieser Partner und damit einhergehend auch die Eingangsmengen (verschiedenster Zwischenprodukte), erschwert dies die Planbarkeit über die gesamte Produktion & Logistik hinweg.
  • Maschinenverfügbarkeit: Ob bei der Herstellung kleiner mechanischer Teile oder für die Sortierung von Paketen – die erforderlichen Maschinen sind zum Teil hochspeziell und für einen spezifischen Anwendungszweck konzipiert. Gerade in der Hochphase der Produktion oder zu saisonalen Events (Weihnachten / Black Friday) können Engpassmaschinen die Produktion beeinträchtigen oder wichtige nachfolgende Prozesse behindern.
  • Kritische Ressourcen / Materialversorgung

    Fallen bestimmte Rohstoffe oder Zwischenprodukte weg – etwa aufgrund von Streiks, Ausfuhrbeschränkungen (seltene Erden / Computerchips) oder anderen Komplikationen – muss es für Unternehmen immer einen Plan B geben. Einzelne Elemente lassen sich gerade in der Fertigung nicht gut substituieren – sei es unter wirtschaftlichen oder qualitativen Gesichtspunkten.

Gerade in diesen Fokus-Bereichen ist es sinnvoll, auf frühe „Warnsignale“ zu achten: Fiel eine Maschine bereits im vergangenen Jahr aus? Bewegt sich in bestimmten Bereichen nichts mehr, wenn Mitarbeiter X fehlt? Oder häufen sich zuletzt die Überstunden in einer Abteilung? All dies sind Anzeichen dafür, dass es in einem bestimmten Aufgabenfeld perspektivisch zu kleineren oder größeren Komplikationen kommen könnte.

Engpässen vorbeugen – Vorausschauende Kapazitätsplanung in Logistik & Produktion

Um mit all den oben beschriebenen Kapazitäten belastbar planen zu können, braucht es heutzutage zwingend digitale Lösungen. Ohne die Nutzung digitaler Ressourcen zur Kapaplanung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bereits kleinere Abweichungen in Abläufen (langfristig) negative Konsequenzen für die Geschäftsfähigkeit eines Unternehmens haben. 

Die digitale Effizienz oder Ineffizienz beeinflusst die Kapazitätsplanung von Produktion und Logistik an unterschiedlichsten Punkten:

In der Praxis „hakt“ es zudem häufig beim Übergang von der Produktion ins Lager oder zum Transport – meist dann, wenn Unternehmen diese Bereiche nur isoliert voneinander betrachten. Schnell stapeln sich Paletten mit Produkten, Schichten werden kurzfristig verlängert oder es ergeben sich sogar Fehler bei der Abwicklung von Aufträgen.

Dabei ist die Kapazitätsplanung eines Bereichs im hohen Maße abhängig von den „Kapas“ anderer – wer dies ignoriert, riskiert Ineffizienzen, die sich gerade zu Hochzeiten (Black Friday / Weihnachtsgeschäft / Urlaubszeit) negativ auf den Geschäftsbetrieb auswirken können. Durch eine End-to-End-Kapazitätsplanung – typischerweise auf digitaler Basis – können Unternehmen solche Probleme häufig sehr effektiv vermeiden.

Kapazitätsplanung in Produktion & Logistik: Die Rolle moderner Workforce Management & Produktionsplanungs-Systeme

Zeitgemäße und digitale Lösungen zur Kapaplanung greifen heute auf eine große Bandbreite an Daten und Informationen aus dem gesamten Unternehmen zurück. Im Idealfall fließen sämtliche relevanten Datenpunkte an einer zentralen Stelle zusammen:

  • Eine Zeiterfassung liefert aktuelle Informationen zu Anwesenheiten und Arbeitszeiten aller Mitarbeiter
  • Die Personaleinsatzplanung veranschaulicht, welche Mitarbeiter in welcher Schicht eingeplant sind
  • MES-Lösungen stellen Informationen zu Maschinenzuständen und Durchlaufzeiten bereit

Sind all diese Systeme korrekt aufgesetzt und miteinander synchronisiert, stehen den Planungsverantwortlichen Echtzeit-Daten zur Auslastung einzelner Abteilungen zur Verfügung. Diese Verknüpfung aktueller Daten aus der Personal- und Maschinenplanung vereinfacht die Kapazitätsplanung erheblich.

Digitale Personal- und Schichtplanung als Grundlage

Bei der Kapazitätsplanung stehen Mitarbeiter im Fokus – denn auch die beste Fertigungsstraße steht ohne qualifiziertes Fachpersonal still. In den Bereichen Produktion und Logistik erfolgt die Planung häufig entlang von Schichtdiensten, die möglichst exakt auf die Anforderungen des Unternehmens abgestimmt werden müssen.

Dabei muss eine Vielzahl an Faktoren berücksichtigt werden:

  • Zeitliche Verfügbarkeit der Mitarbeiter (Urlaube / Krankheit / Ruhezeiten)
  • Qualifikation des Personals (Befähigung / Freigaben)
  • Verfügbarkeit an Arbeitsmitteln (Maschinen / Fahrzeuge)
  • Aktuelle Auftragslage (Menge an Aufträgen / Aufwand pro Auftrag)

Um (teure) Fehlplanungen zu vermeiden, nutzen Unternehmen heute häufig bereits vollständig automatisierte Schichtplanungssysteme. Die bereits skizzierte Verknüpfung aller Daten aus Fertigung und Personalplanung schafft die notwendige Basis für eine optimale Kapazitätsplanung in Logistik und Produktion – streng nach Verfügbarkeiten und Bedarfen.

Kombiniert werden solche Lösungen meist mit Employee-Self-Service (ESS)-Systemen. Diese geben Mitarbeitern die Freiheit, Urlaube selbst zur Genehmigung einreichen oder auch Schichten untereinander tauschen zu können. Für das Unternehmen hat dies wiederum den Nebeneffekt, dass solche (administrativen) Aufgaben nicht mehr selbst vorgenommen werden müssen – was geringere Aufwände für die eigene HR bedeutet.

Vorteile der Kapazitätsplanung: manuell vs. automatisiert

Haben Unternehmen eine klare Übersicht über die verfügbaren Kapazitäten, schafft das ein hohes Maß an Planbarkeit – dies ist fundamental wichtig für Betriebe jeder Art und Größe. Aber braucht es eine automatisierte Kapaplanung? Oder reicht auch eine manuelle Planung der eigenen Kapazitäten? Wir haben die Vor- und Nachteile zusammengefasst.

Manuelle Kapazitätsplanung – Vorteile & Nachteile

Diese Vorzüge bietet eine manuelle Planung:

  • Hohe Kontrolle über den Prozess
  • Flexible Reaktionen bei Sonderfällen und Ausnahmen
  • Geringe Kosten dank einfacher Tools (Excel etc.)
  • Effiziente Lösung für kleine Teams

Folgende Nachteile bringt die manuelle Planung mit sich:

  • Korrekte Pflege sämtlicher Daten notwendigerweise zeitaufwändig
  • Stetiges Fehlerrisiko durch manuelle Datenpflege
  • Keine Echtzeit-Verfügbarkeit von Daten
  • Geringe Skalierbarkeit bei Wachstum des Unternehmens
  • Szenarien oder fallbezogene Analysen kaum abzubilden

Fazit: Hat ein Unternehmen nur wenige Mitarbeiter, kann eine Kapazitätsplanung durchaus manuell stattfinden. Werden Aufgaben jedoch komplexer, wächst das Unternehmen oder sind „Was-wäre-wenn“-Analysen gewünscht, stößt dieses Vorgehen sehr schnell an seine Grenzen.

Automatisierte Kapazitätsplanung – Vorteile & Nachteile

Folgende Vorteile liefert die automatische Kapazitätsplanung:

  • Bedarf und Kapazität in Echtzeit abgleichbar
  • Frühzeitige Identifikation möglicher Engpässe im Ablauf
  • Hohe Daten-Transparenz – etwa über Dashboards
  • Möglichkeit automatisierter Planungs- oder Schichtvorschläge
  • Szenario-Simulationen für Peaks – zum Beispiel über Digitale Zwillinge

Diese Nachteile sind bei automatisierten Planungsprozessen zu berücksichtigen:

  • Hoher Aufwand für die initiale Implementierung / Einrichtung / Anbindung
  • Hohe Datenqualität ist zwingende Voraussetzung für erfolgreiche Planung
  • Prozesse und Daten müssen klar standardisiert und reglementiert sein
  • Schulungen für Mitarbeiter zur Nutzung notwendig
  • Laufende Kosten für Betrieb und Einsatz – abhängig vom Umfang

Fazit: Eine automatisierte Kapazitätsplanung erfordert mehr Vorarbeit im Rahmen der Einrichtung. Dank des Zugriffs auf Echtzeitinformationen und der exakten Analyse von Datenpunkten – mittlerweile häufig mit Hilfe von KI – wird eine hochpräzise Steuerung von Prozessen und Abläufen ermöglicht. Für mittlere bis große Unternehmen ist sie damit die robusteste und wirtschaftlichste Lösung für Planungsprozesse.

Gehen Sie den Schritt in Richtung automatische Planung
Informieren Sie sich über die umfassenden Möglichkeiten der GFOS-Software – z.B. zur Personal- oder Maschinenplanung. Manuelle Tabellenpflege gehört so der Vergangenheit an.